Schulpflicht oder Bildungspflicht?
21/08/26 11:53
Die Geschichte der deutschen Schulpflicht wird häufig als Fortschrittserzählung präsentiert, begann aber keineswegs allein aus Sorge um das einzelne Kind. In Preußen ordnete der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. 1717 den Schulbesuch an; Friedrich II. weitete ihn mit dem General-Landschul-Reglement von 1763 für Kinder vom fünften bis zum 13. oder 14. Lebensjahr aus. Lesen, Schreiben und Rechnen sollten Unwissenheit bekämpfen – zugleich sollten Religion, Gehorsam und Disziplin „geschicktere und bessere Untertanen“ hervorbringen. Die Schule war damit auch ein Instrument eines zentralisierten Staates, der verlässliche Arbeitskräfte, Beamte und letztlich brauchbare Soldaten benötigte. Kinder erhielten zwar erstmals breiteren Zugang zu Bildung, doch ihre freie Entfaltung stand nicht im Mittelpunkt: Entscheidend waren zunächst die wirtschaftlichen, konfessionellen und machtpolitischen Bedürfnisse Preußens. Erst sehr viel später wurde Bildung stärker als individuelles Recht des Kindes verstanden.
Im Bundestagswahlprogramm 2025 fordert nun die AfD, die „im internationalen Vergleich sehr strenge deutsche Schulpflicht“ zu lockern. Entscheidend wäre künftig nicht mehr der regelmäßige Schulbesuch, sondern der Nachweis, dass ein Kind bestimmte Bildungsziele erreicht. Das entspräche grundsätzlich dem Gedanken der Kompetenzorientierung, die sich nicht an formalen Regularien, sondern an überprüfbaren Leistungen im Bereich Wissen, Können und Haltungen bemisst (sog. Output-Orientierung). In Deutschland gilt dagegen grundsätzlich eine Schulbesuchspflicht, deren genaue Ausgestaltung Sache der Bundesländer ist.
Die Debatte um die Schulpflicht spielte aufgrund des föderalen Systems der Bundesrepublik im Bundestagswahlkampf naturgemäß noch keine Rolle und brandet erst jetzt auf, wo die AfD sich in einem Bundesland anschickt, die Landtagswahlen am 6.09.26 zu gewinnen und dementsprechend die Schulpolitik des Landes Sachsen-Anhalt maßgeblich bestimmen und verändern zu können.
Die z.T. hysterischen Reaktionen der anderen Parteien auf den AfD-Vorschlag drohen zu überdecken, dass das deutsche Schulsystem seit Jahren in einer sehr schweren Krise steckt und grundlegender Reformen durchaus bedürfte. Die Einführung einer Bildungspflicht hätte sicherlich zahlreiche Vorzüge und böte obendrein die Chance, massive Struktur-, Personal- und Finanzprobleme des deutschen Schulsystems überwinden zu helfen, u.a. Lehrermangel, zu große Klassen, Heterogenität der Lerngruppen sowie den erhöhten Förderbedarf durch migrantische Kinder, die der deutschen Sprache unzureichend mächtig sind.
Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass Homeschooling nicht nur gleichwertig, sondern oft dem traditionellen Schulbesuch hinsichtlich der Erfolge sogar überlegen ist. Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2022 kam zu dem Ergebnis, dass bei Homeschooling-Kindern gleiche oder sogar deutlich bessere schulische und vor allem emotionale Ergebnisse erzielt würden. Sorgen hisichtlich der Bildungsabschlüsse seien bei diesen Kindern unbegründet gewesen. Probleme wie Trennungsangst, Mobbing und Schulversagensängste fielen demzufolge deutlich geringer aus oder traten gar nicht erst auf. Methodisch nicht zu klären war dabei die Frage, ob diese Erfolge nur bei entsprechend engagierten und sozial privilegierten Elternhäusern einträten oder ob dieses Modell "für alle" taugen könnte. Es müsste bei der Ausgestaltung also darauf geachtet werden, dass es nicht zu weiteren sozialen Verwerfungen käme.
Vermutlich wird niemand die bestehende Schullandschaft beseitigen wollen. Es wäre aber viel gewonnen, wenn selbst "radikale" Ideen offen diskutiert und ggf. in Schulversuchen auf die Probe gestellt werden könnten. Wie überhaupt dem deutschen Schulsystem zu wünschen wäre, dass Eltern und Kinder endlich mehr Wahlfreiheit bei den Bildungsgängen erhielten. Zu beobachten ist in Deutschland das Gegenteil: eine immer stärkere Verengung auf wenige Bildungsangebote (Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen zu sog. Oberschulen, Abschaffung der Förderschulen, personelle und finanzielle Bevorzugung der Gesamtschulen etc.).
Legt man zugrunde, in welchem Umfang Eltern in anderen europäischen Ländern das Angebot Homeschooling tatsächlich in Anspruch nehmen, verliert auch die zumeist polemisch vorgetragene Sorge an Gewicht, die Kinder würden ohne die Schulpflicht "verdummen": Während in England immerhin 1,5% der schulpflichtigen Kinder zuhause unterrichtet werden, sind es in Österreich noch 1%, in Dänemark sogar nur 0,2% und in Norwegen 0,07%. Unabhängig vom Wahlausgang in Sachsen-Anhalt würde die Abschaffung der Schulpflicht also nicht den "Untergang des Abendlandes" einleiten.

Im Bundestagswahlprogramm 2025 fordert nun die AfD, die „im internationalen Vergleich sehr strenge deutsche Schulpflicht“ zu lockern. Entscheidend wäre künftig nicht mehr der regelmäßige Schulbesuch, sondern der Nachweis, dass ein Kind bestimmte Bildungsziele erreicht. Das entspräche grundsätzlich dem Gedanken der Kompetenzorientierung, die sich nicht an formalen Regularien, sondern an überprüfbaren Leistungen im Bereich Wissen, Können und Haltungen bemisst (sog. Output-Orientierung). In Deutschland gilt dagegen grundsätzlich eine Schulbesuchspflicht, deren genaue Ausgestaltung Sache der Bundesländer ist.
Die Debatte um die Schulpflicht spielte aufgrund des föderalen Systems der Bundesrepublik im Bundestagswahlkampf naturgemäß noch keine Rolle und brandet erst jetzt auf, wo die AfD sich in einem Bundesland anschickt, die Landtagswahlen am 6.09.26 zu gewinnen und dementsprechend die Schulpolitik des Landes Sachsen-Anhalt maßgeblich bestimmen und verändern zu können.
Die z.T. hysterischen Reaktionen der anderen Parteien auf den AfD-Vorschlag drohen zu überdecken, dass das deutsche Schulsystem seit Jahren in einer sehr schweren Krise steckt und grundlegender Reformen durchaus bedürfte. Die Einführung einer Bildungspflicht hätte sicherlich zahlreiche Vorzüge und böte obendrein die Chance, massive Struktur-, Personal- und Finanzprobleme des deutschen Schulsystems überwinden zu helfen, u.a. Lehrermangel, zu große Klassen, Heterogenität der Lerngruppen sowie den erhöhten Förderbedarf durch migrantische Kinder, die der deutschen Sprache unzureichend mächtig sind.
Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass Homeschooling nicht nur gleichwertig, sondern oft dem traditionellen Schulbesuch hinsichtlich der Erfolge sogar überlegen ist. Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2022 kam zu dem Ergebnis, dass bei Homeschooling-Kindern gleiche oder sogar deutlich bessere schulische und vor allem emotionale Ergebnisse erzielt würden. Sorgen hisichtlich der Bildungsabschlüsse seien bei diesen Kindern unbegründet gewesen. Probleme wie Trennungsangst, Mobbing und Schulversagensängste fielen demzufolge deutlich geringer aus oder traten gar nicht erst auf. Methodisch nicht zu klären war dabei die Frage, ob diese Erfolge nur bei entsprechend engagierten und sozial privilegierten Elternhäusern einträten oder ob dieses Modell "für alle" taugen könnte. Es müsste bei der Ausgestaltung also darauf geachtet werden, dass es nicht zu weiteren sozialen Verwerfungen käme.
Vermutlich wird niemand die bestehende Schullandschaft beseitigen wollen. Es wäre aber viel gewonnen, wenn selbst "radikale" Ideen offen diskutiert und ggf. in Schulversuchen auf die Probe gestellt werden könnten. Wie überhaupt dem deutschen Schulsystem zu wünschen wäre, dass Eltern und Kinder endlich mehr Wahlfreiheit bei den Bildungsgängen erhielten. Zu beobachten ist in Deutschland das Gegenteil: eine immer stärkere Verengung auf wenige Bildungsangebote (Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen zu sog. Oberschulen, Abschaffung der Förderschulen, personelle und finanzielle Bevorzugung der Gesamtschulen etc.).
Legt man zugrunde, in welchem Umfang Eltern in anderen europäischen Ländern das Angebot Homeschooling tatsächlich in Anspruch nehmen, verliert auch die zumeist polemisch vorgetragene Sorge an Gewicht, die Kinder würden ohne die Schulpflicht "verdummen": Während in England immerhin 1,5% der schulpflichtigen Kinder zuhause unterrichtet werden, sind es in Österreich noch 1%, in Dänemark sogar nur 0,2% und in Norwegen 0,07%. Unabhängig vom Wahlausgang in Sachsen-Anhalt würde die Abschaffung der Schulpflicht also nicht den "Untergang des Abendlandes" einleiten.

Grafik: ChatGPT 5.6